das Projekt

die Kunst der Stunde ist ein digitaler, unabhängiger Raum mit dem Ziel, Kunstschaffende in einstündigen Interviews zu porträtieren ohne sich dabei auf eine Kunstform zu beschränken. Von Literatur über Musikproduktion bis hin zur bildenden Kunst – die Kunst der Stunde setzt sich dabei keine Grenzen.

Der Fokus der Interviews liegt dabei auf die Kunstschaffenden selbst – mit der Intention, die Persönlichkeit und die eigenen Zugänge zur gewählten Kunstform ins Zentrum zu stellen. Die daraus entstanden Inhalte werden hier publiziert.

Die Kunstschaffenden kennen sich und ihren eigenen Wirkungsbereich am besten. Deshalb fotografieren sie (ab Interview 07) diesen und ihre Person mit Einwegkameras selbst.

Bei die Kunst der Stunde arbeiten, organisieren, diskutieren, gestalten und schreiben im Kollektiv: Katharina AugendoplerAndrea Eiber und David Samhaber.

Die Website ist von Andrea Eiber gestaltet und von Bene Reiter umgesetzt worden.

Bei Fragen / Wünsche / Anregungen:
diekunstderstunde@outlook.com oder
@diekunstderstunde

Impressum und Datenschutzerklärung

Dank geht raus an: alle Kunschaffenden die wir bereits interviewen durften, die Hochschüler*innenschaft der Kunstuniversität Linz, MOOI Design, Klaus und Angela Eiber, Thomas, Margot und Johanna Augendopler :–)

Hoizkopf

»Da Hoizkopf is auf da Straße geboren«. Ein verregneter Sonntag, die Regentropfen prasseln gegen die Luken des Salonschiffs Fräulein Florentine, wo wir dem Hoizkopf gegenübersitzen. Die Haube leicht schief, der Schnauzer gestriegelt, der Kaffee schwarz. Gemeinsam sprechen wir darüber, was hinter Hoizkopf und seiner Band den Genießern steht, wie das so ist, wenn man sich Vollzeit auf die Musik konzentriert und welche Rolle Freddy Mercury und das Rasenmähen in Omas Garten dabei in seinem Leben gespielt haben.

Das Interview wurde im November 2019 von Katharina Augendopler und David Samhaber mit Fabian Brunner im Salonschiff Fräulein Florentine in Linz geführt.

Wer is da Hoizkopf?

Ich bin mit Austropop aufgewachsen. Mein Papa ist ein guter Sänger und Gitarrist – daheim lief sehr oft Austria 3 und Reinhard Mey. Und ja mir hat Austropop immer schon getaugt. Mit 15 habe ich dann Krautschädl entdeckt. Davor habe ich auch schon Songs geschrieben, zwar auf englisch – obwohl ich da nicht gut Englisch konnte. Und ja, Krautschädl hat mich so inspiriert, vor allem auch mit ihrem Song Hoizkopf. Und außerdem geht ja ein Hoizkopf auch nicht unter. Ich war immer schon ein sehr dramatischer Mensch, oder melancholisch halt. Das hat mir einfach gut gefallen und deshalb bin ich der Hoizkopf. Also des ist eine Hommage an Krautschädl.

Wissen Krautschädl das?

Glaub i ned.

Nu ned!

Wie hast du dann entschieden von englischen auf deutsche Texte umzusteigen?

Ich habe mir einfach gedacht, ich probiere Songs auf Mundart zu schreiben und bin dann dabei geblieben. Damals, als ich das Borg in Perg besucht habe, habe ich viel Gitarre geübt. Irgendwann kommen dann einmal die ersten Melodien und nachdem man wochenlang immer vier Akkorde wiederholt, fällt dir dann eine Textzeile ein. Mein erster Song entstand, als ich gerade zu Fuß zu meinem besten Freund gegangen bin. Das waren 3 km durch den Wald und durch den kleinen Ort, wo ich herkomme. Die ersten Zeilen habe ich dann schnell in mein Handy eingetippt. Den Song habe ich dann zu Hause weitergeschrieben und dann mit meiner ersten Band gespielt. Den Song spiele ich heute immer noch.

Wie kommst du zu deinen Inspirationen für die Songs?

Es ist oft ein Wort oder ein Satz, der in meinem Kopf gut klingt. Früher war ich oft Rasenmähen bei meiner Oma und während ich den Rasenmäher herumgeschoben habe, habe ich auch oft gesungen. Da hört dir ja auch keiner zu, weil es so laut ist. Ich singe oft so dahin während einer Tätigkeit. Daheim ordne ich dann die Textfetzen und ein Song entsteht. Den Genießer habe ich während meines Ferialjobs in der Voest geschrieben. 

Weil du Genießer sagst, ist das auch der Grund, warum deine Band … und die Genießer heißen?

Ja, das hat sich so ergeben. Weil ich ja auch noch Solo unterwegs bin und dann gemeinsam mit der Band unter Hoizkopf und die Genießer auftrete. Aber das Bandprojekt möchte ich nun weiter voranbringen, weil es mir selber mehr Spaß macht. Die Musik ist voller, besser.

Das Hauptaugenmerk liegt also auf der Band?

Ja, das kann man so sagen.

Sind die Songs, die du mit der Band spielst alle von dir?

Die meisten sind von mir, aber unser Bassist Christian Schinnerl schreibt auch und drei seiner Songs sind bereits in unserem Programm. Es ist aber immer ein gegenseitiger Austausch – wir arbeiten dann gemeinsam in der Probe an den Songs. Ich habe ja auch das Glück, mit sehr guten Musikern zu spielen. Jeder ist auf seinem Instrument wahnsinnig gut.

Was bedeutet es, hauptberuflich Musiker zu sein? Welche Herausforderungen stellen sich?

»Naja, notorisch pleite, aber glücklich« (lacht). Also es geht mir gut. Und manchmal macht man dann noch einen Aushilfskellnerjob. Wichtig ist mir auch zu sagen, dass mich meine Eltern immer sehr unterstützen.

Wie kommst du zu deinen Gigs?

Den Hoizkopf gibt es nun seit sechs Jahren. Ich habe immer viel auf der Landstraße gespielt. So habe ich mir neben meinem freiwilligen sozialen Jahr ein bisschen Geld dazuverdient – darum sage ich auch oft »da Hoizkopf is auf da Straße geboren«. Danach ist das dann recht schnell und gut gegangen, dass ich Anfragen bekommen habe.

Ja und wie geht’s jetzt weiter? Was sind deine Pläne für die nahe Zukunft?

Wir möchten natürlich ein Album aufnehmen, das wär schon ein großes ziel. Wie und in welchem Ausmaß das geschehen wird, hängt natürlich auch von der Finanzierung ab und ob wir eine Förderung für das Studio bekommen. Das Studio ist für mich auch eine Herausforderung. Ich bin da immer sehr nervös, da ich ja im Grunde ein Livemusiker bin, irrsinnig gerne vor Menschen spiele und da auch so viel zurückbekomme. Im Studio ist Zeit Geld, und das stresst mich dann oft. Aber im Jänner werden wir dann eine Single im Studio aufnehmen und darauf freuen wir uns schon recht.

Gibt es ein großes Ziel?

Des Überziel wäre, dass ich von der Musik einmal eine Familie ernähren kann. Und ja, einmal auf der Burg Clam zu spielen. Ich habe schon oft im Sommer dort gearbeitet oder war dort auf Konzerten. Irgendwann wäre es dann schön auch selber auf dieser tollen Bühne zu stehen.

Wann war deine Kunst der Stunde?

Das ist eine witzige Geschichte. Ich war da noch ein ganz kleiner Bub – ich glaub noch keine 10 Jahre und der Papa hat daheim Queen gehört und geschwärmt »der ist ein Wahnsinn, der Freddy Mercury – es gibt keinen zweiten, der so singt«. Er kann so hoch singen und hat trotzdem so eine Kraft. Mir fällt auch keiner ein, der so eine kraftvolle Stimme sowohl in der Tiefe als auch in der Höhe hat. Ich weiß noch, dass ich dann aufs Klo gegangen bin und voll laut gesungen habe und mir dabei gedacht habe »ich werde mal der zweite Freddie Mercury«. Wobei das ein Blödsinn ist, weil niemand so singen kann wie er. Aber das war der Anfang, so ein Traum, den man hat, wenn man ein kleiner Bub ist und eine Gitarre in die Hand nimmt. 

Das Interview wurde im November 2019 von Katharina Augendopler und David Samhaber mit Fabian Brunner im Salonschiff Fräulein Florentine in Linz geführt.